Ende August bekam die Anlaufstelle für Straffällige (AST) in Aurich besonderen Besuch: Die niedersächsische Justizministerin Dr. Kathrin Wahlmann informierte sich vor Ort über die Arbeit der Anlaufstelle und die sozialarbeiterische Praxis.
Begleitet wurde die Ministerin vom Landtagsabgeordneten und parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion Wiard Siebels sowie vom Auricher SPD-Bürgermeisterkandidaten Julian Jetses.
Bei einem Rundgang machte sich die Ministerin zunächst ein Bild von den Räumlichkeiten der AST, der Wohngruppe und dem angeschlossenen Fahrradprojekt. Besonders beeindruckt zeigte sie sich vom Fahrradprojekt. Hier können Bewohner der Wohngruppe mitarbeiten und ihre eigenen Fahrräder selbstständig reparieren. Außerdem können Menschen dort ihre Sozialstunden im Rahmen gemeinnütziger Arbeit ableisten.
Gleichzeitig bietet das Fahrradprojekt einen direkten Nutzen für die Menschen in Aurich: Fahrräder können dort schnell und unkompliziert repariert werden. Die Kosten für Ersatzteile werden gegen eine Spende beziehungsweise eine entsprechende Bezahlung übernommen.
Das Fahrradprojekt verbindet damit praktische Hilfe, Beschäftigung und gesellschaftliche Teilhabe auf besondere Weise.
Austausch über die tägliche Arbeit
Nach dem Rundgang kamen alle Beteiligten bei einem traditionellen ostfriesischen Frühstück zu einem ausführlichen Gespräch zusammen. Die Mitarbeitenden der AST stellten ihre tägliche Arbeit vor und berichteten über die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen.
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist die enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen und Behörden. Dazu gehören unter anderem die Staatsanwaltschaft Aurich, der Ambulante Justizsozialdienst Niedersachsen (AJSD), das Jobcenter Aurich, die Ausländerbehörde, die DRK-Migrationsberatung Aurich und die Jugendarrestanstalt Emden.
Durch diese gute Zusammenarbeit können die Mitarbeitenden der AST Menschen häufig schnell und unbürokratisch unterstützen. In vielen Fällen trägt die Beratung und Begleitung auch dazu bei, eine Inhaftierung zu vermeiden.
Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigen auch die Zahlen der Landesstatistik. Die Anlaufstellen in Niedersachsen leisten seit Jahren einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung straffällig gewordener Menschen und zur Vermeidung weiterer Straftaten.
Mehr Sicherheit durch langfristige Förderung
Ein weiterer wichtiger Punkt des Gesprächs war die institutionelle Förderung der Anlaufstellen in Niedersachsen. Nach einer langen gemeinsamen Vorbereitungszeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium und der Landesarbeitsgemeinschaft der Anlaufstellen wurde die Förderung Anfang 2026 endgültig umgesetzt.
Damit haben die Anlaufstellen nun eine langfristige finanzielle Planungssicherheit. Ministerin Dr. Wahlmann bezeichnete die Einführung der institutionellen Förderung als einen „Meilenstein“. Sie würdigt damit die wichtige Arbeit der Anlaufstellen und sichert diese langfristig ab.
Ein besonderes Anliegen der Ministerin war es, die Anlaufstellen aus dem bisherigen Projektstatus herauszuführen und ihnen eine verlässliche Grundlage für ihre Arbeit zu geben.
Blick auf zukünftige Herausforderungen
Natürlich wurde auch darüber gesprochen, welche Herausforderungen auf die Anlaufstellen in Zukunft zukommen. Dazu gehören insbesondere der fehlende bezahlbare Wohnraum und die steigende Arbeitsbelastung.
Immer mehr Menschen benötigen Unterstützung bei Behördengängen und anderen organisatorischen Fragen. Auch die regelmäßigen Sprechstunden in den Justizvollzugsanstalten der Region nehmen viel Zeit in Anspruch. Hinzu kommen die steigenden Zahlen bei der Geldverwaltung und bei Ratenzahlungsanträgen im Rahmen des Projekts „Geldverwaltung statt Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafe“.
Die Ministerin, Wiard Siebels und Julian Jetses signalisierten ihre Unterstützung und betonten, dass sie auch bei zukünftigen Anliegen ein offenes Ohr für die Anlaufstellen in Niedersachsen haben möchten.
Dank für den wertschätzenden Austausch
Die Anlaufstelle für Straffällige in Aurich, in Trägerschaft des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Aurich und vertreten durch den stellvertretenden Kirchenamtsleiter Jens Ottersberg, bedankt sich herzlich bei Dr. Kathrin Wahlmann, Wiard Siebels und Julian Jetses für ihren Besuch.
Der offene und wertschätzende Austausch hat gezeigt, wie wichtig die Arbeit der Anlaufstellen für die Gesellschaft ist. Der Besuch war eine schöne Anerkennung für die tägliche Arbeit der Mitarbeitenden und zugleich ein wichtiger Austausch über die Zukunft der Straffälligenhilfe in Niedersachsen.
Auf dem Foto zu sehen v.l.n.r.: Julian Jetses (SPD), MdL Herr Siebels, Justizministerin Frau Dr.*in Wahlmann, stellv. Kirchenamtsleiter Herr Ottersberg, Geschäftsführer Anlaufstelle Aurich Herr Betten (AST), Sozialbetreuer Herr Gerdes (AST), Verwaltungsangestellte Frau Pupkes (AST)